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Bierwissen

Geschichte des Bieres

Die Sumerer. Begonnen hat alles im ehemaligen Mesopotamien (Zwischenstromland) irgendwann zwischen 4000 und 3000 Jahren vor Christi. Wahrscheinlich wurde Brot nass, vergor und wurde zu Bier. Wahrscheinlich ist auch, dass diese Entdeckung mehrmals in der Menschheitsgeschichte zu Stande kam. Bald darauf wurde Brot zerkleinert eingeweicht und vergoren. Später wurde auch erkannt, dass man gekeimtes und gemahlenes Korn vergären kann. Über die Hefe wusste man damals noch nicht bescheid aber vermutlich überlebte die Hefe im inneren der Sauerteigbrote das Backen, da im inneren die Temperaturen unter 45°C blieben. Die ältesten Überlieferungen stammen zu Beispiel aus dem Gilgamesch Epos (aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. eines der ältesten überlieferten literarischen Dichtungen der Menschheit). Der Enkidu war ein zottiges, ungebärdiges Wesen (eine Art Affe), das in der Steppe mit Gazellen Gras fraß:

 Der wilde Enkidu trank Bier; er trank davon gar an die sieben Mal.
Sein Geist ward gelöst, und er ließ sich mit lauter Stimme vernehmen.
Wohlbehagen erfüllte seinen Körper und sein Antlitz erstrahlte.
Er wusch den zottigen Leib sich mit Wasser, salbte sich den Leib mit Öl
und ward ein Mensch.”
 

 

 

Das Bier wurde damals aus Emmer (einer Weizenart) und Gerste gebraut.

Die nächsten die Bier brauten waren die Babylonier (hatten schon 20 Sorten Bier). Von Ihnen importierten vermutlich die alten Ägypter das Bier und erlernten das Brauen.
Hier ein altägyptisches Rezept:

»Um Bier zu brauen, nimmt man Gerste oder eine andere Getreideart, feuchtet sie an oder gräbt sie auch ein, damit sie zu keimen beginnt.

Dann wird das Getreide gemahlen und unter Zusatz von Sauerteig zu Brot geformt. Die Brote bäckt man ein wenig - so, dass nur die äußerste Kruste brotartig wird. Das Innere muss roh bleiben.

Dann werden die Brote in Stücke geschnitten, in einen großen Topf getan und mit Wasser begossen. So lässt man sie einen Tag stehen.

Am nächsten Tag wird die Flüssigkeit durch ein Sieb in einen anderen Topf gegeben, wobei die aufgeweichten Brotstücke auf dem Sieb mit den Händen geknetet werden. Das weißlich schäumende Getränk, das so entsteht, hat einen bitteren Geschmack. Es muss gleich nach der Bereitung getrunken werden, weil es sich nicht aufbewahren lässt und, wenn man es in verschlossene Gefäße füllt, diese zersprengt. Um es noch bitterer zu machen, gibt man Rettich oder Wolfsbohne hinzu«.

 

Hopfen wurde zu damaliger Zeit noch nicht verwendet sondern  Alraun, Safran, Anis, Rettich, Wolfsbohne oder sonstige Gewürze.

 

 

Die Griechen lernten unter anderen von den Ägyptern das Bier kennen, waren aber eher Weintrinker und werden aus diesem Grund hier nicht näher betrachtet.

 

 

In Mitteleuropa wurde bereits im 16. Jahrhundert vor Christus Bier gebraut. Es ist wahrscheinlich, dass hier das brauen unabhängig von den älteren Kulturen erfunden wurde. Dabei wurde gebackenes Brot in Wasser eingeweicht und mit wilder Hefe vergoren. Später erfanden die alten Germanen sogar das Brauen von gemälztem und geröstetem Getreide.

 

 

Die Römer kannte zwar das Bier bevorzugten aber, wie die Griechen, den Wein. Bier wurde nur in den Außenbezirken, wo der Wein nicht gedieh, getrunken. Im Werk „Germanica“ des römischen Schriftstellers Tacitus (98 n Chr.) wird vom Bier als Hauptgetränk der Germanen berichtet. Ebenso wird berichtet, dass die Germanen Hunger und Kälte gut ertrugen, nicht aber den Durst:
 

 "Tag und Nacht durchzechen sie und man könnte sie ebenso gut mit der Lieferung berauschender Getränke besiegen wie durch die Gewalt der Waffen."

Im Mittelalter waren die Klöster die Bierbrauer und Bierhändler. (die Brauerei des bayrischen Klosters Weltenburg ist wahrscheinlich die älteste Brauerei der Welt, die noch existiert (1050 n. Chr.). Zu dieser Zeit wurde Bier, das damals einen geringen Alkoholgehalt hatte,  auch Kindern als Getränk gegeben, da es im Gegensatz zum Wasser nahezu keimfrei war.

Die Klöster erfanden auch das Bockbier.

Sie arbeiteten intensiv daran, ein besonders nahrhaftes und starkes Bier herzustellen. Das war ihnen wichtig, um die harten Einschränkungen der kargen Fastenzeit umgehen zu können, denn "was flüssig ist, bricht kein Fasten", lautete die Regel.

Eine Legende sagt, dass die bierbrauenden Mönche vorsichtshalber eine Probe ihres Spezialbieres über die Alpen nach Rom schickten. Der Papst sollte sich davon überzeugen, dass sie dieses Getränk auch wirklich zur Fastenzeit zu sich nehmen durften. Das Gebräu überstand den langen Weg aber nicht unbeschadet und kam als saure Brühe vor den Pontifex Maximus. Der sah in dem zweifelhaften Genuss dieser Brühe eher eine Buße als eine Freude und gab seinen Segen. Die päpstliche Freigabe freute die Mönche natürlich sehr. Das Geschäft mit dem Klosterbier florierte und viele Klöster wurden durch ihre Braukunst wohlhabend und berühmt.

Ein Wehrmutstropfen aus dieser Zeit ist die damalig eingeführte Biersteuer.

 

In der expandierenden Brauwirtschaft kam es natürlich auch zu Verfehlungen. Nicht wenige Brauer wurden als Bierpanscher entlarvt, die sich auf Kosten der Zecher bereichern wollten. Eine landesweite Verordnung folgte dann am 23. April 1516. An jenem denkwürdigen Tag verfügten Herzog Wilhelm IV. von Bayern und sein mitregierender Bruder Ludwig X. das Gebot, dass zur Herstellung von Bier einzig und alleine Gerstenmalz, Hopfen und Wasser zu verwenden sei - das Reinheitsgebot war geschaffen.

 

Industrialisierung

Ab der Zeit der Industrialisierung  brachte der technische Fortschritt auch beim Bierbrauen große Neuerungen mit sich und Bier konnte im großen Stil gebraut werden.

In diese Zeit fallen auch die Entdeckung der Hefe durch Louis Pasteur (1822- 1895) und die Erfindung der Kühlmaschine durch Carl von Linde (1873).
 

Zum Abschluss noch die (fast) aktuelle Entwicklung des Bierkonsums

Am 16. 01. 2006 wurde vom Verband der europäischen Brauereien folgende Statistik über den Pro- Kopf- Verbrauch in Litern erstellt:

 

1. Tschechien 160,0
  2. Deutschland 115,8
  3. Österreich 108,6
  4. Irland 108,0
  5. Großbritannien 100,8
  6. Belgien 93,0
  7. Finnland 84,0
  8. Niederlande 77,9
  9. Polen 75,0
10. Portugal 61,7